Was ist Karatedō?
Es handelt sich bei Karatedō (dt. Weg der leeren Hand) um eine waffenlose Kampfkunst, die im 20. Jahrhundert in Japan populär wurde, dessen Wurzeln aber tief in der Vergangenheit liegen. Karatedō wurde stark von chinesischen, japanischen und okinawanischen Kampfkünsten beeinflusst.
Was Karatedō auszeichnet, ist der bewusste Einsatz des gesamten Körpers. Neben sämtlichen Gliedmaßen sind auch Atmung, Körperhaltung und -beherrschung, Präzision und gutes Timing von bedeutender Wichtigkeit, um Techniken korrekt ausführen zu können. Um diese Fertigkeiten zu schulen, baut Karatedō auf drei Säulen auf: Dem Kihon (dt. Basis), das die Grundtechniken vermittelt, der Kata (dt. Form), die einen stilisierten Kampf gegen mehrere (imaginäre) Gegner darstellt, und dem Kumite (dt. Übungskampf), bei dem zwei oder mehrere Karatekas partnerschaftlich gegeneinander kämpfen. Vor allem beim Kumite ist der partnerschaftliche und respektvolle Umgang mit dem Gegenüber hervorzuheben: Es ist ausdrücklich nicht erwünscht, den Kumite-Partner in irgendeiner Weise zu verletzen. Diese drei Säulen sind wesentlich für ein vollständiges Karatedō.
Karatedō besitzt nicht nur eine sportliche Komponente, sondern auch eine geistige: Es geht auch um das Training des Charakters, idealerweise um die Vervollkommnung desselben. Der Leitspruch von Gichin Funakoshi (* 1868; † 1957), dem Begründer des modernen Karatedō, lautete deshalb "Das höchste Ziel im Karatedō ist nicht der Sieg oder die Niederlage, sondern die Perfektion des menschlichen Charakters". Möchte man diesen Aspekt hervorheben, so verwendet man meist die Schreibweise Karatedō anstelle vom kürzeren Karate.
Weitere wesentliche Aspekte der Karatedō-Philosophie finden sich in den Karate Do nijū ka jō, den 20 Paragrafen des Karatedō wieder (ein Auszug):
-
Karate beginnt mit Respekt und endet mit Respekt.
karate wa rei ni hajimari rei ni owaru koto o wasuru na -
Im Karate gibt es keinen ersten Angriff.
karate ni sente nashi -
Denke nicht an das Gewinnen, doch denke darüber nach, wie man nicht
verliert.
katsu kangae wa motsu na, makenu kangae wa hitsuyō -
Denke nicht, dass Karate nur im Dojo stattfindet.
dōjō nomi no karate to omou na
Diese Regeln unterstreichen den friedfertigen Charakter des Karatedō, den man auch außerhalb des Dojos pflegen sollte.