Trainingsprogramm
Was beinhaltet das Training?
Das Training beginnt und endet mit einer rituellen Begrüßungszeremonie, die eine mentale Vorbereitung bzw. Nachbereitung des Trainings darstellt. Anschließend wird das Training mit Gymnastik- und Erwärmungsübungen eingeleitet, um Verletzungen vorzubeugen und physische Merkmale wie Dehnbarkeit zu verbessern. Danach wird mit dem eigentlichen Karatedōtraining begonnen, das von unseren Trainern geleitet wird. Dabei wird Rücksicht auf den jeweiligen Kenntnisstand und die körperlichen sowie geistigen Voraussetzungen genommen, weshalb die Gruppe meist nach einem gemeinsamen Training, das alle absolvieren können, aufgeteilt wird. Der Karatedōunterricht beinhaltet die drei Säulen Kihon, Kata und Kumite, die je nach Schwerpunkt der Trainingseinheit und den Anwesenden unterschiedlich intensiv trainiert werden. Allerdings lehnen wir eine Fixierung auf eine der drei Säulen ab, um den Karatekas die gesamte Bandbreite des Karatedō präsentieren zu können.
Kihon (Grundschule)
Kihon stellt die Grundlage des Karatedō dar, da hier unter optimalen Voraussetzungen an den Block-, Konter- und Angriffstechniken gearbeitet wird. Durch regelmäßige Wiederholung wird dem Karateka damit die Möglichkeit eröffnet, die erlernten Techniken in einem anderen Kontext, wie z.B. in Selbstverteidigungssituationen oder im Kumite, anwendbar zu machen. Dieser Lernprozess wird durch die Schulung von Tugenden wie Selbstdisziplin und Aufmerksamkeit sowie der ständigen Arbeit an sich selbst unterstrichen, denn jeder Karateka sollte versuchen, sich mit jeder Ausführung der Technik zu verbessern.
Der Anfänger beginnt mit den Techniken in ihrer Reinform, während die Fortgeschrittenen die Techniken kombinieren und somit ihr Repertoire an Bewegungsmustern erhöhen. Aber nicht nur die Motorik wird dadurch verbessert, sondern auch die Muskulatur, allen voran die Beinmuskulatur, was den tiefen Stellungen des Shotokan-Stils geschuldet ist. Eine weitere Fähigkeit, die man erwirbt, ist die Körperbeherrschung, die für einen verletzungsfreien Ablauf des Kumite erforderlich ist.
Ist die Koordination der Gliedmaßen gemeistert, so gibt es noch viele weitere Aspekte, an denen es zu arbeiten gilt. Hierbei sind vor allem Hüfteinsatz, Atmung und Kime, die in allen Bereichen des Karatedō von Bedeutung sind, zu nennen. Beim Kime geht es darum, seine Muskeln bis zum Auftreffen entspannt zu lassen, bevor die gesamte Energie zeitgleich mit dem Ausatmen entladen wird, was es dem Karateka ermöglicht, eine sowohl schnelle als auch sehr kraftvolle Technik auszuführen. Nach der Technik tritt eine sofortige Entspannung der Muskeln ein, sodass der Karateka in der Lage ist, eine weitere schnelle Technik auszuführen. Die im Karatedō übliche Zwerchfellatmung und der Einsatz der Hüfte wirken unterstützend für eine kraftvolle Technik.
Kata (Form)
Eine Kata ist eine Abfolge zahlreicher Techniken, die einen Kampf gegen mehrere imaginäre Gegner darstellt. Ursprünglich diente die Kata dazu, den Stil eines Meisters zu verschlüsseln, weshalb in den Katas viele Anwendungen und Bewegungsmuster versteckt sind, die man nur mit ausreichender Erfahrung und zunehmendem Verständnis der Kata erkennt. Anfangs wird es lediglich darum gehen, sich den Ablauf zu merken. Hat man sich die Kata gemerkt, wird der Fokus auf Details, wie Rhythmus oder Kime gelegt. Daran schließt sich die Phase des Verstehens der Kata an. Im Verlaufe dessen sieht man beim Ausführen der Kata immer mehr, dass die Kata einen Kampf (gegen sich selbst) darstellt. Um das Verständnis einer Kata zu erlangen, wird häufig darauf zurückgegriffen, einzelne Sequenzen aus der Kata in Anwendung mit einem Partner zu üben, was auch als Bunkai bezeichnet wird. Im Shōtōkan-Karatedō gibt es insgesamt 27 solcher Katas.
Kumite (Partnerkampf)
Das Kumite, bei dem zwei oder mehrere Partner miteinander kämpfen, lässt sich grob in zwei Arten aufteilen. Auf der einen Seite ist das freie und auf der anderen Seite das abgesprochene Kumite, bei dem jeder Partner weiß, was als nächstes kommt. Bevor ein Karateka frei kämpfen kann, muss er durch abgesprochenes Kumite die wichtigsten Fähigkeiten für das freie Kämpfen erwerben, wie z.B.:
- Ausweichbewegungen
- Distanzgefühl
- Kampfgeist
- Kontrolle
- Konzentration
- Mut
- Präzision
- Reaktion
- Timing
Außerdem muss er die Prinzipien aus Kata und Kihon ins Kumite einbringen können. Das Kumite kann außerdem die praktische Anwendung einer Kata sein. In jedem Fall wird auf die im Kihon geübten Techniken zurückgegriffen. Auch Selbstverteidigungssituationen können zum Kumite gezählt werden.